- Ein Berlin ohne Gedichte ist wie ein Restaurant ohne Gerichte. -

Leichtigkeit des Seins auf Procida

Procida - Meine Bilder auf FlickrHeimelig, fast wie auf ein Märchenbild aus 1000 und einer Nacht schauend, mutet es an, wenn man auf den Hafen Marina Grande von der Traghetti Fähre aus zusteuert. Nein, wir sind nicht in Nordafrika, wenn wir das Festland betreten. Wir setzen unsere Füße auf das Gestein vier erloschener Vulkane. Genau das haben Björn und ich eine Woche lang getan. Der Kontakt zum Vulkangestein war intensiv, denn wir erkundeten die Inselwelt Procidas täglich soweit uns die Füße trugen.
Nur selten sprangen wir in einen Bus, wo uns meistens der Fahrer die Legitimation zum Schwarzfahren erteilte, indem er uns wortlos auf die Sitzplätze verwies, denn wir hatten keine vorher gekauften Tickets parat. Wussten wir nicht genau wo der Bus überhaupt hinfuhr, so wurde auch das mit den Fahrgästen im Bus spontan geklärt. Menschen die sich auf Procida wohl fühlen und Einheimische sprechen ja sowieso dieselbe Sprache. Aus diesem Grund sind wir auch immer angekommen. Im doppelten Sinn: Da wo wir hin wollten und bei uns selbst.
Schöner kann Urlaub gar nicht sein! :)
Dankbarkeit überfällt mich, während mein Blick über maurisch anmutende pastellfarbene Domizile gleitet, wenn ich die bunten Fischerbote im Abendlicht tänzeln sehe oder wenn unzählige Zitronen- oder Apfelsinenbäume stolz ihre Früchte im Märzwind zur Schau stellen, wenn das Thyrrhenische Meer glitzert als würde es Millionen Diamanten beherbergen…
Dankbar bin ich den stolzen Bewohnern dieser kleinen Trauminsel, auf der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Dankbar dafür, dass sie sich erfolgreich gegen den Massentourismus gewehrt haben! So entstand z.B. aus dem Wahrzeichen von Procida , dem Terra Murata, eben kein Superluxushotel. Noch ist Terra Murata dem Verfall preisgegeben und es hat Besseres verdient. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wünschte ich mir, dass es sich in einen Ort verwandelt, der sich wie ein Puzzleteil in den ausgeprägten Charakter der zauberhaften Inselstadt einfügt.

Wir schlenderten durch die engen Gassen und nicht mal die Autofahrer, die uns permanent ganz dicht auf den Fersen waren, nahmen mir etwas von meiner Leichtigkeit. Procida ist ein Ort zum Ankommen. Und da hat mir wohl jemand gleich am Hafen die Leichtigkeit in den Reisekoffer gepackt. Als Begrüßungsgeschenk.
Fakt ist, dass das Lebensgepäck hier leichter wird. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Augen der Menschen hier auf das Wesentliche blicken?!

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Plötzlich werden wir in unserer Muttersprache angesprochen. Ein älterer Herr, ein Ex Schweizer, wie wir erfuhren, erklärt uns, dass das Wetter derzeit Kapriolen spielt:“ Ich kann meinen Salat nicht setzen, es ist ungewöhnlich kühl und feucht für diese Jahreszeit!“

Die Insulaner lieben ihre Gärten, die Lavaerde lässt alles üppig sprießen.

Von unserer Terrasse aus wanderte mein Blick eines Morgens auf ein kleines Markttreiben. „Björn, da müssen wir hin!“ rief ich euphorisch, denn wir wollten gerade Gemüse besorgen.
Kurze Zeit später hatten wir eine Tüte voller Kostbarkeiten in der Hand. Die Möhren, Auberginen und Tomaten waren knackigfrisch, nicht EU- genormt und rochen nach mehr. Sie kosteten ganze 2.00 Euro und der fröhliche Marktverkäufer legte uns glatt noch Auberginen und Möhren mit einem Lächeln dazu. Später erfuhren wir von Florian (über den wir das Domizil buchten), dass dort auch Gourmetrestaurants ihre Ware her beziehen.

Auf meine Frage an den Ex- Schweizer Renter warum er denn nicht in der Schweiz sondern auf Procida lebe antwortete er: „Ich habe hier mein Essen und meine Frau habe ich auch…!“
Und er hat Muße zum Leben. Abertausende Blicke auf ein sich stetig wandelndes Meer, Wortwechsel mit Einheimischen, die den Smalltalk überflüssig machen, und taufrischen Salat aus dem Vulkanerdegarten…
Neidisch blicken wir ihn an. Im Prinzip lebt er seiner Zeit voraus.
Procidaner sind auf das Wesentliche reduziert. In ihren Augen sahen wir einen Reichtum der unbezahlbar ist. Ich wünsche mir auch, dass Björn und ich ihn in uns tragen.

Weniger ist eben mehr, egal ob in Procida oder sonst wo auf der Welt.

Das ist den Inselbewohnern wohl schon immer klar und viele waren bereit dafür zu kämpfen.

Procida, ich habe dir ein Gedicht gewidmet. Es entstand abends im Palazzo Guarracino, als ich die Impressionen des Tages an mir vorüber ziehen ließ.

So versprühe ich hier einen Hauch Procida, obwohl sich Procida nicht in Worte fassen lässt.
Procida will erlebt werden.

Auf nach Neapel und dann ab auf´s Traghetti! Sie werden gewiss abgeholt.
Unterkünfte und einen deutsch sprechenden Halbprocidaner finden Sie hier: Mipana

Und denken Sie dran: Es könnte Ihnen dort leichter um´ s Herz werden!

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